Das Stangl-Phänomen

 

Stangl ist bayerisch und bedeutet „kleiner Stock“. Wenn Hundehalter mit ihrem Vierbeiner in den Münchener Isarauen spazieren gehen, suchen sie stets ein solches Stangl. Das hat einen guten Grund.

Das Stangl-Phämnomen
Für den Hunde zählen zwei Motive: jagen und fressen. Entdeckt der Hund eine Ente, folgt er seinem Jagdtrieb. Verzweifelte Rufe seines Herrchens wie „Sitz, Platz, Komm, Pfui oder Nein“ verhallen wirkungslos. Selbst Androhung von Strafe wird ignoriert. Wittert der Hund gar einen Picknickkorb mit Schweinswürstln, wird es noch wilder.


Kluge Hundehalter bedienen sich daher des Stangl-Tricks. Sie lenken die Aufmerksamkeit des Tieres auf den kleinen Stock. Der Hund ist total darauf fixiert. Er jagt das Stangl, als wär es Wildente und Schweinswürstl zugleich. Der Trick heißt: Kontrolle durch Ablenkung. Die Aufmerksamkeit wird auf ein wertloses Holzstück gelenkt. Der Jagdinstinkt macht’s möglich!
Könnte es sein, dass auch Sie manchmal hinter einem solchen Stangl her jagen? Dann stellt sich die Frage, wer dieses Stangl wirft. Oder sind Sie lieber Werfer und versuchen, Mitarbeiter per Stangl zu führen? Auf Menschen übertragen, wird es bisweilen auch als „bei der Stange halten“ bezeichnet.


Hunden macht’s nichts aus, sie führen trotzdem ein glückliches Hundeleben. Menschen haben - leider oder glücklicherweise - die Möglichkeit zur Reflexion. Irgendwann halten sie inne und spüren, dass etwas nicht stimmt. Der Erkenntnis, fremden Zielen hinterher zu jagen, folgt Enttäuschung und Frustration. Motivation ade!


Ein Stangl könnte eine in Aussicht gestellte Beförderung sein. Lässt die Anstrengung mal nach, wird das Stangl hochgehalten und die Jagt geht weiter. Kontakte werden vernachlässigt - bisweilen auch die Gesundheit. Am Ziel steht der Stangljäger oft vor einem Scherbenhaufen: Beziehungen sind zerrüttet und der Arzt verkündet Hiobsbotschaften.


Das Stangl als Führungsinstrument mag kurzfristig funktionieren. Es ist jedoch nicht nachhaltig – und dennoch weit verbreitet.


Doch es geht auch anders. Bei Motiven von Mitarbeitern, Führungskräften und Unternehmen gibt es durchaus große Übereinstimmungen. Wird diese Schnittmenge gefunden, streben alle Beteiligten einem gemeinsamen Ziel zu. Deshalb plädieren wir für einen Führungsansatz, der die auch hintergründigen Motive aller Beteiligten berücksichtigt – und so nach-haltiges Führen ermöglicht.


 

 

© Bernd Kieckhöfel, Wolfgang Schwenk

 

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